Bilder vom Gehweg, der zwischen Kazmairstraße und Heimeranstraße verläuft. Stimmen von Nachbarn und anderen Bewohnern der Schwanthalerhöhe. Seit Frühjahr 2014 lebt Herr E. als Obdachloser auf einer der Parkbänke. Sein Hab und Gut – in den Augen und Nasen vieler Passanten und direkt betroffener Nachbarn Müll – nimmt inzwischen einen breiten Raum ein. Wessen Raum? Viele Bürger haben in den vergangenen Wochen und Monaten bei den unterschiedlichsten Stellen der Stadt München angerufen, wo man wiederholt zusicherte, es sei bereits alles Mögliche in der Sache unternommen worden. Bislang ist sichtbar nichts geschehen (Stand Mitte Februar 2015). Die Situation wird durch wohlmeinende Menschen verschlimmert, die ungefragt und anonym Lebensmittel und Sachspenden bei der Bank abstellen. Die Lebensmittel werden von Herrn E. nicht verzehrt, die Kleider nicht angezogen, das Bettzeug nicht benutzt. Alles vermodert und verrottet entlang des Weges und im Rücken der Parkbank. Da der Weg städtisches Privatgrundstück ist und offiziell als Gehweg gar nicht existiert, obschon gepflastert, gärtnerisch gestaltet und mit Bänken und Laternen möbliert, greift die Satzung über die Benutzung der städtischen öffentlichen Grünanlagen nicht. Trotzdem ist das Baureferat, Abteilung Gartenbau für die Pflege zuständig.

Eine straßenrechtliche Widmung des kleinen Fußweges, der sich im Eigentum des Kommunalreferates der Stadt München und der Branddirektion befinde, komme nicht in Betracht, so eine Stellungnahme des Baureferates gegenüber dem Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe. Der Weg weise zum einen keine überwiegende Verkehrsbedeutung auf und zum anderen sei die Fläche, auf der sich der Weg befinde, im Flächennutzungsplan als Gemeinbedarfsfläche und nicht als Straßenfläche ausgewiesen. Ungeachtet behördlicher Definitionen, wird der Weg von vielen Einwohnern der Schwanthalerhöhe genutzt, die entweder im neuen Viertel einkaufen, in den Biergarten gehen oder sich im nahen Bavaria Park erholen. Während der Woche wird der Fußweg zusätzlich von zahlreichen Menschen frequentiert, die in den Büros im neuen Viertel arbeiten und im alten Viertel zu Mittag essen. Sie alle gehen an der Parkbank vorbei, die früher Passanten noch zum Sitzen einlud.

Für einige ist Herr E. ein hilfsbedürftiger Weiser, für andere - bei aller Problematik seiner Lebensumstände - ein rücksichtsloser Egoist. Wiederholte Male hinderte er Mitarbeiter der Stadtreinigung und des Gartenbauamtes an der Verrichtung ihrer Arbeit. Die Polizei erkennt das Recht am Eigentum an und sieht sich außerstande ohne die Einwilligung von Herrn E. Hand an die Tüten u.a. zu legen. Sicher sind Ordnungskräfte in dieser Situation überfordert und es wäre erfreulich, wenn Streetworker und Sozialarbeiter im Einvernehmen mit Herrn E. eine Lösung herbei führen könnten (leidet Herr E. möglicherweise am Messie-Syndrom?). Möglichst noch bevor es warm wird und die Geruchsbelästigung erneut zum Problem wird. Spätestens dann, wäre es ein Fall für das zuständige Referat für Gesundheit und Umwelt.

Günter Wallraff hat 2009 in der ZEIT einen Artikel über sein Leben als Obdachloser undercover veröffentlicht. Es gibt viele Blickwinkel ... und um die von Herrn E. privatisierte Parkbank jede Menge Müll. Das Beispiel macht Schule und mancheiner stellt im Schutze der Dunkelheit Dinge wie Staubsauger, Fernseher, Lattenroste, Wäscheständer und sogar ein Sofa ab und spart sich so den Weg zum Wertstoffhof. Oder handelt es sich um eine missverstandene Kunstinstallation? Um Streetart? Über Müll mit Message in den Straßen Brooklyns hat der BR einen hübschen Film gesendet. Ironie oder Koinzidenz? Der an Herrn E.s Lebensraum angrenzende Garten des Anwesens Kazmairstraße 21 wurde 2006 von der Landeshauptstadt München mit einem Preis für vorbildliche Gartengestaltung ausgezeichnet. Der gleiche Preis ging im Jahr 2014 an den Nachbar-Garten der Heimeranstraße 6. Und welchen Preis verdient das Niemandsland?