Das Ende von "Mare Nostrum"

November 05, 2014  •  Kommentar schreiben

Das Foto zeigt einen sogenannten "vu cumprà", einen fliegenden Händler am Strand von Paestum. Er kam aus Marokko über das Meer, als Bootsflüchtling. Er hat überlebt. Alleine in diesem Jahr ertranken im Mittelmeer bereits 3000 Menschen auf der Flucht. Noch am 31. Oktober 2014 rettete die italienische Marine 151 Flüchtlinge aus dem Meer von Sizilien. Am Tag danach gab es offiziell die Operation "Mare Nostrum" nicht mehr. Ab Samstag, 1. November, soll die EU-Grenzschutzagentur Frontex für Sicherheit sorgen. "Triton" heißt die neue europäische Mission. Wenn es nach der italienischen Regierung geht, soll sie die Operation "Mare Nostrum" ablösen, bei der Italien bislang im Alleingang versuchte, Flüchtlinge in Seenot zu retten.

Italien gab seit der Flüchtlingskatastrophe vor Lampedusa am 3. Oktober 2013 monatlich zwischen sechs und neun Millionen Euro für die Seenotrettung aus. Triton wird von der EU jedoch mit lediglich 2,9 Millionen Euro monatlich ausgestattet. Laut EU sollen vier Hochseeschiffe, drei Boote beziehungsweise Schiffe für die Patrouille an der Küste, ein Hubschrauber sowie vier Flugzeuge zum Einsatz kommen. Die Operation verfügt aber weder über eigenes Personal noch über Flugzeuge oder Schiffe. All das muss sie von den EU-Mitgliedsländern erbitten.

Aus Sicht von Flüchtlingsorganisationen hat Mare Nostrum beeindruckende Erfolge vorzuweisen. Unterschiedlichen Quellen zufolge dürften seit Oktober 2013 weit mehr als 100 000 Menschen aus Seenot gerettet worden sein. Es gibt aber auch Kritik. Deutschlands Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht in der Mission einen Anreiz für Flüchtlinge: "Mare Nostrum war als Nothilfe gedacht und hat sich als Brücke nach Europa erwiesen", sagte er auf einem Treffen der EU-Innenminister Anfang Oktober. (Quelle: SZ vom 31.10.2014 und 3.11.2014)


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Selfie im Feltrinelli

May 25, 2014  •  Kommentar schreiben

In Salerno liegen im Feltrinelli Golf von Neapel-Reiseführer von mir aus. Auf Italienisch und Englisch. Bin ich proud über die polyglotten Publikationen? Hm. Mehr Geld gab es für die fremdsprachigen Ausgaben nicht vom Verlag. Außerdem arbeite ich in Italien als guida turistica, nicht als accompagnatore turistico, wie die ins Italienische übersetzte Autorenvita behauptet. Das ist ein Unterschied. Auch juristisch. Ein großes Thema, ein anderes Mal. IMG_0003IMG_0003


Benvenuti al Sud

May 16, 2014  •  Kommentar schreiben

Das Remake des französischen Erfolgsfilms »Willkommen bei den Sch'tis« ließ im Sommer 2010 in Italien die Kinokassen klingeln. Der Plot von »Willkommen im Süden« ist schnell erzählt: Postangestellter aus Norditalien wird nach Süden in den Cilento versetzt (südlich noch von Neapel!). Vorurteile treffen auf Vorurteile, Gorgonzola trifft auf Mozzarella und am Ende herrschen Friede, Freude, Pizza. Alles sehr lustig. Dem Remake »Benvenuti al Sud« folgte 2012 das Remake des Remakes mit dem einfallsreichen Titel »Benvenuti al Nord«. Same, same. Endlich schlägt die Stunde der Betongoldgräber. Kino-Traumkulisse ab 160.000 € schlüsselfertig. Nahe Castellabate werden Ferienappartementanlagen mit dem klingelnden Namen »Benvenuti al Sud« gebaut. Nur 5 Minuten vom Meer. CastellabateBauboom_1423CastellabateBauboom_1423


München, die östlichste Stadt Frankreichs?

March 28, 2014  •  Kommentar schreiben

Das München sich als nördlichste Stadt Italiens versteht, ist so bekannt, wie abgenudelt. Ein Besuch auf dem Viktualienmarkt, bei italienischen Touristen fast so beliebt wie das Oktoberfest, lässt leichte Zweifel aufkommen. Oder ist die Schreibweise für Mozzarella di Bufala Campana nur ein Indiz, dass wir längst alle Bürger einer weltumspannenden transkulturellen Gesellschaft sind?

Mozzarella auf jeden Fall ist ein Paradebeispiel für globalen Kultur- und (Lebensmittel-)Techniktransfer. Goethe blickte in seiner »Italienische(n) Reise« zwar auf der Fahrt nach Paestum den nilpferdischen Büffeln in ihre blutroten Augen, von Mozzarella wusste er allerdings ebenso wenig zu berichten, wie frühe Ausgaben des Baedeker. Heute kennt Mozzarella jedes Kind, sie liegt in allen Supermärkten im Kühlregal und auf jeder Pizza. Nur handelt es sich fast nie um echte Mozzarella di Bufala Campana D.O.P. Auf der Pizza landet im schlimmsten Fall Analogkäse aus Pflanzenfett und in den Kühlregalen bekommt selbst beste Büffel-Mozarella eine gummiartige Konsistenz. Doch dazu später mehr.

Milchlieferanten für die echte Mozzarella sind asiatische Wasserbüffel (Bubalis bubalis). In ihrer ursprünglichen Heimat wurden die stämmigen Tiere bereits vor 7000 Jahren für die Arbeit in sumpfigem Gelände gezähmt. Als lebende Traktoren helfen sie heute noch die Ernährung der halben Weltbevölkerung, die vom Grundnahrungsmittel Reis lebt, sicher zu stellen. Wie die sanftmütigen, schwarzen Riesen nach Kampanien kamen ist weiterhin Gegenstand gelehrter Diskussionen. Möglicherweise benutzten die Langobarden die muskulösen Rinder als Zugtiere und brachten sie im 6. Jh. auf ihrem langen Treck aus der ungarischen Tiefebene nach Süditalien. Vielleicht wurde bei der Gelegenheit bereits die Mozzarella „erfunden“. Die Mozzarella ist ein Pasta-Filata- oder Brühkäse, d.h. der Käsebruch (durch Zugabe von Lab eingedickte Milch) wird aus der Molke gehoben und mit 80°C heißem Wasser überbrüht. Anschließend wird die heiße Masse durch Kneten und Rühren zu einem geschmeidigen Teig verarbeitet. Davon reißt mit flinken Händen der casaro kugelige Mozzarella-Stücke ab. Daher auch der Name des Käse, mozzare bedeutet nämlich abzupfen. Für 1 kg Mozzarella braucht man bis zu 10 l Büffel-Milch. Frische Mozzarella di Bufala wird am besten in ihrer eigenen Molke schwimmend aufbewahrt. So hält sie sich bei Zimmertemperatur etwa zwei Tage und bleibt zart und aromatisch im Geschmack. Bei Kühlschranktemperaturen hingegen nimmt sie eine gummiartige Konsistenz an.

In den 1990er Jahren erhielt die »Mozzarella di Bufala Campana« die begehrte D.O.P.-Anerkennung. Für die Camorra ein gefundenes Fressen. 2007 wurden in der Provinz Caserta mehrere 10.000 Büffel entdeckt, die mit Bruccelose-Bakterien infiziert waren. Ein großer Teil der Zuchtbetriebe stand unter direkter oder indirekter Kontrolle organisierter Verbrecher-Clans, die auch tierärtzliche Untersuchungen manipulierten. Ein Jahr später erschütterte ein Artikel der New York Times ein weiteres Mal das Vertrauen in die Qualität des teuren Käses. Bald griffen Blogs und andere Medien den Bericht über Dioxinbelastung der Büffelmilch in der Provinz Caserta auf. Mehrere Länder verhängten darauf hin einen Einfuhrstop. Mutmaßlich hatten die Tiere Gras in der Nähe illegaler Giftmülldeponien gefressen. 2010 musste erneut dioxinbelastete Mozzarelle aus dem Verkehr gezogen werden. Am Rande: 2010 machte auch ein blau anlaufender Mozzarella Schlagzeilen. Die schnell auf den Namen »Schlumpf-Käse« getaufte Mozzarella kam allerdings aus Deutschland. Die Krisen hatten auch ihr Gutes. Inzwischen sind die Kontrollen deutlich strenger und die Qualität ist sicherer geworden. Von den Skandale nie betroffen war in der Provinz Salerno die Sele-Ebene um Paestum, dem neben der Provinz Caserta wichtigsten Erzeugungsgebiet italienischer Büffel-Mozzarella. Und hier gibt es auch die meisten biologisch wirtschaftenden Betriebe.

2014-03-282014-03-28München, Viktualienmarkt transkulturell


Gartenglück in Giungano

March 17, 2014  •  Kommentar schreiben

Iris pseudopumila – Gelbblühende (manchmal auch blaublühende) Zwergiris, in Sizilien und im Norden Apuliens endemisch. Jetzt auch in Giungano heimisch. Dort blüht sie Ende Februar/Anfang März.

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